IPM Aktuell

IPM-Aktuell

1/2006 Bluthochdruck (Boehringer Ingelheim)

2/2006 Metabolisches Syndrom 

1/2007 ADVANCE-Studie (Servier)

1/2008 ONTARGET-Studie (Boehringer Ingelheim)

2/2008 Candesartan (Takeda)

1/2009 Neue Ergebnisse der ADVANCE-Studie (Servier)

1/2010 Telemedizin 

1/2011 Diuretika (Servier)

1/2013 Renale Denervierung (Medtronic)

Die in Klammern genannten Firmen sind die Sponsoren der Ausgaben. 

IPM Aktuell "Diuretika"

Mit dieser Ausgabe von „IPM-aktuell“wollen wir die Wichtigkeit der Diuretika für die Blutducksenkung und speziell deren Unterschiede darlegen. Wir tun dies in patientenverständlicher Sprache – so können Sie es ihren Patienten zum Lesen geben, wenn Sie die Information mit ihnen teilen mögen.

Zur medikamentösen Behandlung des Bluthochdrucks gibt es verschiedene Arzneimittel mit unterschiedlichen Wirkstoffen. Diese „Blutdrucksenker“ werden nach ihren Wirkmechanismen in Gruppen eingeteilt wie z.B. Diuretika, Betablocker, Kalziumantagonisten, ACE-Hemmer oder Angiotensin-Rezeptorblocker (siehe Grafik auf Seite 3). Sie alle senken den Blutdruck, wie man es vonihnen erwartet. Doch das eigentliche Ziel der Blutdrucksenkung ist die Abwehr von hochdruckbedingten Folgekrankheiten an Herz, Nieren, Gehirn und Gefäßen. Sie entwickeln sich untereinem unbehandelten Bluthochdruck beidem einen früher, bei einem anderen später– letztlich bedrohen sie aber immer unsere Gesundheit und unser Leben. Hinsichtlich der Blutdrucksenkung und erst recht hinsichtlich der Abwehr von hochdruckbedingten Organ- und Gefäßschäden wirken die verschiedenen Blutdrucksenker unterschiedlich. Das wird der behandelnde Arzt bei der Auswahl eines blutdrucksenkenden Arzneimittels berücksichtigen. Auch für die Kombination mehrerer Arzneimittel, die zur Normalisierung des Blutdrucks meist notwendig ist, wird der Arzt ihre spezifischen Wirkeffekte nutzen und sie so kombinieren, dass sie sich optimal ergänzen. In dieser Hinsicht hat sich die Kombination eines Diuretikums mit einem ACE-Hemmer bewährt, die es auch als Fixkombinationen gibt – das ist die Kombination beider Wirkstoffe in einer Tablette. Die Fixkombination aus dem ACE-Hemmer Perindopril mit dem Diuretikum Indapamid ist sehr attraktiv, zumal sie zur erstmaligen Behandlung eines neu diagnostizierten Bluthochdrucks als einzige Fixkombination zugelassen ist. Dabei nimmt Indapamid aufgrund seiner speziellen Wirkeffekte eine Sonderstellung unter den Diuretika ein, die wir nachfolgend näher beleuchten werden.

Mit freundlichen Grüßen

Unterschrift

Ihr Prof. Dr. Roland E. Schmieder,
Vorstand Institut für Präventive Medizin

Diuretikum ist nicht gleich Diuretikum – auf den Unterschied kommt es an

Alle Diuretika senken den Blutdruck, indem sie die Nieren stimulieren, Salze aus dem Blut abzuscheiden. Dem Salz folgt immer auch Wasser; Wasser und Salze werden dann mit dem Harn ausgeschieden. Insofern wirken alle Diuretika als „Entwässerungstabletten”. Durch diese „Entwässerung” nimmt das Flüssigkeitsvolumen in der Blutbahn ab und damit
sinkt auch der Blutdruck

Wasserhahn

Wasser raus, Druck runter-
manche Diuretika können noch mehr!

Unterscheidung nach Wirkeffekten

Darüber hinaus gibt es weitere Wirkeffekte, nach denen sich die Diuretika zum Teil deutlich voneinander unterscheiden. Diese Unterschiede sind für die Prognose vieler Hochdruckpatienten überaus bedeutend.
 

Hydrochlorothiazid

Vom Diuretikum Hydrochlorothiazid (zur Gruppe der Thiazide gehörend) weiß man heute, dass es eine Zucker- und Fettstoffwechselstörung begünstigt und demzufolge einen Diabetes und ein metabolisches Syndrom auslösen oder verschlechtern kann. Bei Patienten, die bereits eine entsprechende Risikokonstellation haben und mit dem Blutdrucksenker Hydrochlorothiazid behandelt werden, wird also das Risiko für Organ- und Gefäßkrankheiten durch die ungünstige Wirkung auf den Stoffwechsel weiter ansteigen, obgleich der Blutdruck unter dieser Behandlung sinkt (siehe Beispiele unten im Kasten). Damit ist jedoch das Ziel einer Hochdrucktherapie verfehlt, nämlich die Abwehr von Organ- und Gefäßkrankheiten.


Indapamid

Ganz anders ist das Diuretikum Indapamid zu bewerten. Zwar ist es einem Thiazid ähnlich, aber eben nur ähnlich und dennoch unterschiedlich. Indapamid verhält sich – anders als Hydrochlorothiazid und andere Thiazide – gegenüber dem Zucker- und Fettstoffwechsel neutral. Die Behandlung mit Indapamid wird also keinen Diabetes und kein metabolisches Syndrom auslösen oder verschlechtern. Zusätzlich verbessert Indapamid die Funktion einer bereits geschädigten Niere. Dies ist von großer Bedeutung, denn schon eine leichte Verschlechterung der Nierenfunktion geht mit einer deutlichen Erhöhung des Risikos für die Entwicklung von Herz-Kreislauf-Krankheiten einher. Wird eine bereits verschlechterte Nierenfunktion unter Indapamid wieder verbessert, nimmt dieses Risiko wieder ab, wie aus Studien zu schließen ist. Bitte beachten Sie: Das frühe Zeichen für eine verschlechterte
Nierenfunktion ist die geringfügige Erhöhung der Eiweißausscheidung mit dem Harn, auch Mikroalbuminurie genannt. Die Mikroalbuminurie wiederum ist die frühe Folge einer allgemeinen Gefäßschädigung, verursacht z.B. durch Bluthochdruck, der unzureichend behandelt ist. Das Diuretikum Indapamid kann aber noch mehr: Eine krank -hafte Herzwandverdickung, die so genannte linksventrikuläre Hypertrophie, bildet sich unter der Behandlung mit Indapamid zurück. Dazu muss man wissen, dass solche Herzwandverdickungen unter Patienten mit ungenügend behandeltem Bluthochdruck weit verbreitet sind. Unbehandelt mündet dies in das Herzversagen. Von ACE-Hemmern ist seit langem bekannt, dass sie die Rückbildung einer Herzwandverdickung stärker fördern, als es durch die Blutdrucksenkung allein zu erklären ist. Indapamid kann das offenbar ebenfalls gut, zumindest besser als die anderen Diuretika, wie Studien gezeigt haben.

Blutdrucksenkung ist nicht alles: Die Gesamtwirkung ist entscheiden

Blutdruck runter – Risiko hoch

Man stelle sich einen 58 jährigen Patienten mit stark erhöhtem Blutdruck von 170/100 mmHg vor. Zur blutdrucksenkenden Therapie erhält er ein Arzneimittel, das den Blutdruck rasch und dauerhaft deutlich senkt und auf Normalwerte von 135/85 mmHg einstellt. Gleichzeitig jedoch steigt das Gesamtcholesterin im Blut, das schon vor Beginn der Therapie leicht erhöht war, unter diesem Blutdrucksenker weiter an. Auch der Zuckerstoffwechsel entgleist, so dass sich schließlich eine Zuckerkrankheit (Diabetes) einstellt. So entwickelt der Patient trotz optimaler Blutdruckeinstellung in kurzer Zeit Beschwerden einer Herzenge (Angina pectoris), die typisch für eine Arteriosklerose ist. Er erleidet drei Jahre nach Beginn seiner Hochdruckbehandlung einen Herzinfarkt. So darf sich eine Hochdruckbehandlung auf keinen Fall auswirken
– sie hat ihr Ziel klar verfehlt, nämlich die Abwehr von Organschäden, zumindest aber deren Verzögerung.

Blutdruck und Risiko runter

Nun male man sich eine Patientin aus, deren Blutdruck mit 170/100 mmHg genauso stark erhöht ist und deren Risikoprofil auch sonst gut mit dem des Patienten aus dem ersten Beispiel übereinstimmt. Sie erhält aber ein anderes Arzneimittel, das ihren Blutdruck sanft auf 150/95 mmHg senkt, dabei aber „stoffwechselneutral” wirkt. So bezeichnet es der Arzt, wenn das Mittel keinerlei unerwünschte Wirkungen auf das Gesamtcholesterin, die Triglyzeride, den Blutzucker oder andere Stoffwechselprozesse in unserem Körper hat. Zur Normalisierung ihres Blutdrucks benötigt die Patientin einen zweiten Blutdrucksenker. Auch der ist stoffwechselneutral. Beide Arzneimittel bieten den Organen sogar einen zusätzlichen Schutz, der noch zu dem durch die Blutdrucksenkung erzielten Schutz hinzukommt. Nach wenigen Wochen ist der Blutruck mit 135/80 mmHg im Zielbereich. Drei Jahre nach Beginn der Therapie mit dieser Kombination erfreut sich die Patientin bester Gesundheit. Somit ist das vorrangige Ziel der Hochdrucktherapie – nämlich die Abwehr von Organschäden fürs Erste erreicht und die Prognose für die Zukunft dieser Patientin ist weiterhin gut.

Die Wahl des Blutdrucksenkers

Der versierte Arzt kennt die unterschiedlichen Wirkeffekte der verschiedenen Blutdrucksenker. Er wird sie gewissenhaft berücksichtigen, um für jeden Patienten die für ihn am besten geeignete Therapie auszuwählen. Dazu wird er auch die Begleiterkrankungen des Patienten und dessen Risiko-Konstellation würdigen.

Außerdem verbessert Indapamid die Funktion des Endothels

– das ist das dünne Häutchen, das die Blutgefäße innen auskleidet. Das Endothel ist daran beteiligt, die Spannung der Gefäßwände und darüber die Gefäßweite und den Gefäßwiderstand und damit schließlich den Blutdruck zu regulieren.

Indapamid besitzt eine Sonderstellung unter den Diuretika

Aufgrund all dieser speziellen Wirkeffekte nimmt Indapamid unter den Diuretika eine Sonderstellung ein. Die Anwendung ist insbesondere für die Hochdrucktherapie von Hochrisikopatienten zu empfehlen wie z.B. Hypertoniker mit Zucker- oder Fettstoffwechselstörungen, mit Diabetes oder metabolischem Syndrom, mit Herzschwäche oder verminderter Nierenfunktion. Zudem eignet sich Indapamid gut als Partner in einer Kombinationstherapie des Bluthochdrucks, insbesondere in der Kombination mit einem ACE-Hemmer. Dazu schrieb Professor Dr. Heinrich Holzgreve, ein namhafter Hypertoniespezialist aus München, in einem Informationsdienst für Ärzte*: „Studien belegen, dass Indapamid ein vorzüglicher Kombinationspartner für einen ACE-Hemmer bei wichtigen Indikationen, vor allem auch bei Hochrisikopatienten wie Diabetikern ist. In zwei großen Studien an 457 Typ-2-Diabetikern mit Nephropathie [Nierenfunktionsstörung] und 556 Patienten mit linksventrikulärer Hypertrophie [Herzwandverdickung] war die Kombination aus Perindopril [ACE-Hemmer] mit Indapamid [Diuretikum] dem ACE-Hemmer Enalapril überlegen.”

[*leicht verkürzt aus: Management Hypertonie by Fax 2007; 7. Jahrgang; Nr. 8]

 

Unterschiede zwischen den ACE-Hemmern gibt es hinsichtlich ihrer Wirkdauer. So müssen manche ACE-Hemmer zwei- bis dreimal täglich eingenommen werden, von anderen genügt eine Tablette, um über den ganzen Tag effektiv zu wirken. Der ACE-Hemmer Perindopril wirkt nach oraler Gabe über 24 Stunden und muss deshalb nur einmal am Tag eingenommen werden.

Indapamid plus Perindopril: eine vorzügliche Kombination

Da sowohl Indapamid als auch Perindopril nach oraler Gabe über 24 Stunden wirksam sind, eignen sich diese beiden Blutdrucksenker gut für eine fixe Kombination, das ist eine Tablette, die beide Wirkstoffe enthält. Die Therapie mit der Indapamid- Perindopril-Fixkombination ist einfach und sehr gut verträglich. Sie wird von den Experten der medizinischen Fach - gesellschaften zur erstmaligen Behandlung eines neu diagnostizierten Bluthochdrucks empfohlen. Diese Kombination senkt nicht nur den Blutdruck, sondern schützt die Organe stärker, als es durch die Blutdrucksenkung allein zu erwarten ist. Davon profitieren insbesondere Patienten mit Bluthochdruck und zusätzlichen Risikofaktoren für Herz, Nieren und Gefäße. Die Vorzüge dieser Kombination wurden mit der so genannten ADVANCE-Studie an über 11.000 Patienten belegt. Einzelheiten dazu wurden in „ipm-aktuell” 1/2007 und 1/2009 erläutert, die im Internet unter www.ipm-aktuell.de verfügbar sind.

ACE-Hemmer: Zur Blutdrucksenkung für die meisten Patienten bestens geeignet

Auch ACE-Hemmer besitzen zusätzlich zu ihrer blutdrucksenkenden Wirkung noch spezielle Wirkeffekte, von denen viele Patienten profitieren. Denn sie senken effektiv den Blutdruck und schützen zudem die Organe; dieser Schutz ist größer, als er durch die Blutdrucksenkung allein erzielt wird. Deshalb erhalten Hypertoniker mit Herz- oder Nierenerkrankungen vorrangig einen ACE-Hemmer zur Blutdruckeinstellung – ACE-Hemmer verlangsamen nämlich das Fortschreiten dieser Krankheiten. Zugleich wird der Zuckerstoffwechsel durch ACE-Hemmer eher günstig beeinflusst; insofern wird auch ein Diabetiker mit oder ohne Bluthochdruck heute üblicherweise mit einem ACE-Hemmer behandelt. Mit dem ACE-Hemmer erhalten Diabetiker dann auch gleich einen Schutz für Herz und Nieren, die durch den Diabetes immer gefährdet sind. Zusätzlich wird auch der Fettstoffwechsel durch ACE-Hemmer eher verbessert als verschlechtert.

IPM Aktuell "Telemedizin"

Die Telemedizin* findet immer mehr Anwender unter Patienten und Ärzten. Experten meinen sogar, dass wir die großen Herausforderungen, vor denen unser Gesundheitssystem steht, nicht ohne Telemedizin werden meistern können – nämlich eine deutliche Kostenreduzierung bei gleichzeitiger Verbesserung der Qualität in der medizinischen Versorgung. Telemedizin bedeutet, dass der Patient Kontakt zu einem Arzt hat, auch wenn er sich selbst fern der Praxis oder Klinik aufhält. Dabei geht es aber zunächst nicht um Telephonie, also das Ferngespräch zwischen Patient und Arzt. Vielmehr stehen Telemetrie und Telemonitoring* im Fokus, also die zeitnahe Fernübermittlung regelmäßig erhobener Messwerte an ein so genanntes Telematik-Zentrum zur Überwachung der Krankheit und zur ärztlichen Führung des Patienten. Fürsprecher sagen, dass die Telemedizin eine Ferndiagnostik erlaubt und die Therapie - steuerung verbessert. Denn das Telematik- Zentrum prüft ständig alle vom Patienten übermittelten Messergebnisse und Daten automatisch und alarmiert den behandelnden Arzt bei Messwert-„Ausreißern“. Der Arzt reagiert dann zeitnah, indem er die Therapie bei Bedarf sofort anpasst und dem Patienten entsprechende Handlungsanweisungen übermittelt oder ihn umgehend in seine Praxis bestellt. Davon profitiert insbesondere der chronisch kranke Patient, zum Beispiel der Hypertoniker mit Diabetes oder Herzinsuffizienz. Im Idealfall spart er sich durch Telemedizin häufige Besuche bei seinem Arzt und ist dennoch intensiver betreut. Gegner sagen, dass die Telemedizin den direkten Kontakt zwischen Arzt und Patient und das Gespräch weiter einschränkt und den gläsernen Patienten schafft. Wir wollen in dieser ‚ipm-aktuell’ aber nicht die Positionen ‚Pro’ und ‚Kontra’ erläutern, sondern die gebräuchlichen Begriffe erklären und praktische Beispiele geben, an denen die Prinzipien der Telemedizin deutlich werden.

Mit freundlichen Grüßen und allen guten Wünschen
Unterschrift
Ihr Prof. Dr. Roland E. Schmieder,
Vorstand Institut für Präventive Medizin

Telemedizin – die Standleitung zum Arzt

Notfallmedizin mit Köpfchen

Im Falle eines Herzinfarkts spielt die Zeit bis zum Beginn der Therapie für die Prognose des Patienten eine entscheidende Rolle. Stellen Sie sich einen Notarztwagen (NAW) vor, in dem ein Patient mit Verdacht auf Herzinfarkt schon während des Transports untersucht und überwacht wird. Die entsprechenden Befunde können zusammen mit verschiedenen Laborwerten, die im NAW mit Schnelltests ermittelt wurden, zeitgleich von den Ärzten im Krankenhaus zur Vorbereitung weiterer Notfallmaßnahmen genutzt werden.  Somit erhält der Patient die für ihn angezeigte Behandlung bereits wenige Minuten nach dem Infarktereignis unmittelbar nach dem Eintreffen im Krankenhaus. Seine Prognose ist entsprechend gut und die Zeit in der Rehabilitation verkürzt – ein Gewinn für alle durch die Telemedizin.

Telemedizin – die Standleitung zum Arzt

Früh erkannt, Gefahr gebannt!

Denken Sie an eine Patientin mit Bluthochdruck und fortgeschrittener Herzkrankheit, die medizinisch gut eingestellt ist. Im Urlaub verschlechtert sich ihr Zustand schleichend, was sie selbst zunächst gar nicht bemerkt, wohl aber ihr intelligenter Herzschrittmacher. Über das Telemonitoring wird diese Verschlechterung frühzeitig im Telematik-Zentrum (Erklärung weiter unten) in ihrem Heimatland als beginnendes Lungenödem erkannt. Daraufhin wird der behandelnde Arzt alarmiert, der die Patientin über Telefon oder SMS kontaktiert. Dabei stellt sich heraus, dass es als Folge der veränderten Ernährung am Urlaubsort zur Flüssigkeitsansammlung in der Lunge gekommen ist. Als Therapie verordnet der Arzt eine Erhöhung der Diuretikum-Dosis. Damit lässt sich das Lungenödem vermindern und
eine Verschlimmerung abwehren, so dass die Patientin ihren Urlaub mit leicht veränderter Ernährung fortführen kann.

[Verändert nach Bosch RF et al.; Herzschr Elektrophys 2009; 20:179-184]

Blutdruckeinstellung verbessert Telemedizinisch überwachte Patienten mit Bluthochdruck haben eine bessere Blutdruckeinstellung als Patienten unter Standardbedingungen. Besonders wirksam ist die Telemedizin in dieser Indikation, wenn die Patienten auch noch regelmäßig von einem Mediziner kontaktiert werden. Das sind die Ergebnisse verschiedener Studien. Die telemedizinische Blutdruckmessung beruht auf der Blutdruckselbstmessung durch den Patienten, wobei die Messwerte automatisch über ein Mobiltelefon zu einer Datenbank zurrück gesendet werden.

??? Telemedizin ??? E-Health ??? Telemetrie ???


„Die Telemedizin ist ein vergleichsweise neues Tätigkeitsfeld im Gesundheitswesen. Man versteht darunter die Erbringung konkreter medizinischer Dienstleistungen in Überwindung räumlicher Entfernungen durch Zuhilfenahme moderner Informations- und Kommunikationstechnologien.“ [Deutsche Gesellschaft für Telemedizin] Wer sich mit Telemedizin befasst, dem wird auch der Begriff e-Health (Health = Gesundheit; e = elektronisch) begegnen. e-Health ist der Oberbegriff; darunter fallen alle Einsätze elektronischer Medien im Gesundheitswesen wie eben die Telemedizin. Aber auch die elektronische Gesundheitskarte zählt dazu, ebenso die elektronische Patientenakte, der elektronische Arztbrief und das „e-Rezept”. Telemetrie wird auch „Fernmessung“ genannt. Dazu werden Messwerte, die mit Hilfe eines Messfühlers (Sensor) am Körper eines Patienten ermittelt werden, an eine räumlich entferte Stelle übertragen, z.B. an ein Telematik-Zentrum (siehe unten). Telemonitoring ist die Überwachung von krankheitsrelevanten Funktionen des Patienten durch den Arzt oder medizinisch ausgebildetes Personal über eine räumliche Distanz hinweg. Entweder trägt der Patient dazu Sensoren am Körper, die Funktionen wie z.B. Blutdruck, Puls, Herzrhythmus (EKG), Blutzucker, körperliche Aktivität, Sauerstoffsättigung des Blutes regelmäßig messen und an eine mobile Basisstation übermitteln, die der Patient wie ein Mobiltelefon ständig mit sich führt. Oder der Patient misst selbständig und trägt die Messwerte anschließend in seine Basisstation ein. Von der mobilen Basisstation werden die Daten im Sinne der Telemetrie automatisch an ein Telematik-Zentrum(auch Telematik-Plattform genannt) übermittelt. Das ist eine zentrale Datenbank, in der die übermittelten Daten ausgewertet und gespeichert werden. Der Arzt hat über das Internet und einen geschützten, persönlichen Zugang Zugriff auf diese Daten. Laufen Daten im Telematik-Zentrum ein, die für den jeweiligen Patienten als kritisch anzusehen sind, wird der Arzt sofort weiteren Auswertung übermittelt werden. Im Falle, dass die vereinbarten Zielwerte überschritten werden oder dass Messungen komplett fehlen, alarmiert die Datenbank den behandelnden Arzt und gegebenenfalls auch den Patienten. So wird der Arzt auf die Patienten aufmerksam, die eine Therapieanpassung benötigen, um die Blutdruckzielwerte zu erreichen, oder deren Therapietreue zu wünschen übrig lässt. Wegen dieser genauen und stetigen Überwachung mit der Möglichkeit zum raschen Eingreifen durch den Arzt und wegen der Zeitersparnis für den Patienten wird das Telemonitoring von 93% der Befragten positiv bewertet.

[nach Sehnert W, Mengden T; Med Klein 2009; 104:314-322]
Hochdruckwarnung via SMS


Die Diagnose „Bluthochdruck” lässt sich mit der ambulanten Blutdruck-Langzeitmessung über 24 Stunden zuverlässig stellen. Zur Therapiesteuerung ist die telemetrische Blutdruckmessung die beste Wahl. Denn durch regelmäßige, in kurzen Abständen durchgeführte Kontrollmessungen, die lückenlose Auswertung aller dabei anfallenden Messwerte und die Rückmeldung via SMS, Telefon, eMail oder Fax über „Ausreißer” unter den Messwerten und fehlende Messungen ist eine schnellere und genauere Anpassung der Therapie möglich. „Das Ziel des telemetrischen Blutdruck-Monitorings ist, die Effektivität von Antihypertensiva durch interaktive Compliance-Steuerung nachhaltig zu verbessern und die Dokumentations- und Kontrolllücken zwischen zwei Arztbesuchen zu schließen.”

[nach Middeke M; MMW-Fortschr Med 2009; 151(1-2):47-51]
Telemonitoring ??? Telematik ??? Telekonsil ???

alarmiert. Der prüft die Daten und entscheidet, was zu tun ist. Das teilt er dem Patienten über Telefon, SMS oder „rückwärts” über die Bahnen des Telematik-Systems mit. Oder er hält zunächst Rücksprache mit ihm, wenn er für seine Entscheidung zusätzliche Informationen benötigt. Telematik ist die Technologie, ohne die es Telemedizin und e-Health überhaupt nicht gäbe. Denn schließlich müssen verschiedene Systeme mit Hilfe der Telekommunikation (Tele…) und unter Anwendung der Informatik (…matik) verknüpft werden. Durch diese Verknüpfung können regelmäßig am Patienten erhobene Messwerte zeitnah zur Auswertung an das Telematik- Zentrum übermittelt werden. Das Zentrum wiederum erkennt kritische Situationen selbständig, die es sofort dem behandelnden Arzt meldet. Der Arzt wiederum gibt dem Patienten ebenfalls über die Entfernung entsprechende Handlungsanweisungen
zur weiteren Behandlung (siehe Abbildung / Schema oben). Auf der Telematik-Plattformkönnen alle Daten zum Krankheits- und Behandlungsverlauf in der Patientenakte gespeichert werden. Auf diese Akten hat der behandelnde Arzt und bei Bedarf auch andere befugte Ärzte Zugriff. Das ermöglicht die individuelle und effektive Steuerung der medizinischen Versorgung über alle Einrichtungen hinweg vom Hausarzt zum Facharzt, über die Klinik bis zur Reha und Nachsorge. Im Notfall kann das lebensrettend sein. Lässt sich ein Arzt durch einen ärztlichen Kollegen hinsichtlich der Erkrankung und Behandlung eines Patienten beraten, so nennt man das Konsil. Im Telekonsil mit elektronischer Ton-, Bild- und Filmübertragung können sich Ärzte über beliebige Entfernungen hinweg und in dringenden Fällen ohne Zeitverzug austauschen. Das ist z.B. nützlich, wenn sich Spezialisten verschiedener medizinischer Fachgebiete über komplexe medizinische Befunde eines Patienten und ihre Konsequenzen für die weitere Behandlung austauschen wollen. Ein rascher Austausch zwischen Experten aus Kardiologie, Diabetologie, Hypertensiologie und Nierenheilkunde kann z.B. erforderlich werden, wenn zu befürchten ist, dass ein Diabetiker
mit Herzkrankheit und Bluthochdruck in ein akutes Nierenversagen rutscht. Das Telekonsil spart Zeit und Kosten und ist für den Patienten weniger belastend, denn der konsiliarisch tätige Arzt muss nicht zum Patienten und der Patient nicht zum Konsiliarius reisen.

Wer profitiert wie von der Telemedizin?

Interview mit Professor Dr. Roland E. Schmieder, Facharzt für Innere Medizin, Nieren- und
Hochdruckspezialist und Vorstand des Nürnberg-Erlanger Instituts für Präventive Medizin

Junge Patienten sind mit Telemedizin
wohl rasch vertraut. Doch schreckt diese
Technik ältere Patienten nicht eher ab?
Schmieder: Man sollte niemanden mit der
Telemedizin überfordern oder ihn zur Teilnahme
drängen. Vielmehr muss jeder, für
den eine telemedizinische Anwendung infrage
kommt, zunächst informiert werden und
dann frei entscheiden, ob er sich darauf schulen
lässt und sie ausprobiert. Im Übrigen sollten
die telemedizinischen Verfahren für den
Patienten so einfach wie möglich gestaltet
werden mit einer aus anderen Anwendungen
wie dem Mobiltelefon vertrauten Benutzeroberfläche
und eingebauter Benutzerführung
bzw. Selbsterklärung.


Haben Sie ein Beispiel?
Schmieder: Denken Sie an die kleinen Geräte
zur Blutdruckselbstmessung. So ein
Messgerät ist heute in fast jedem Haushalt
verfügbar – es ist auch für ältere Menschen
ganz einfach zu bedienen. Die Messwerte
speichert das Gerät automatisch; wenn es
diese jetzt auch noch selbständig über Mobilfunk
an das Telematik-Zentrum weiterleitet,
so dass der Arzt jederzeit Zugriff darauf
hat und bei einer Blutdruckentgleisung alarmiert
wird, dann ist das bereits eine anspruchsvolle
telemedizinische Anwendung.
Der Anwender muss dazu nicht viel mehr tun
als jetzt auch schon. Aber das Gerät könnte
den Patienten auch erinnern, wenn er mal
wieder eine Messung durchführen sollte.


Zahlt sich der Aufwand für die Telemedizin
denn aus?
Schmieder: Durch Anwendung der Telemedizin
spart sich der Patient viel Zeit und
viele Wege für Arztbesuche und ist dennoch
ärztlich gut betreut und medizinisch bestens
versorgt. Tatsächlich trägt die Telemedizin dazu
bei, durch die engmaschige Kontrolle einerseits
die Therapietreue zu verbessern und
andererseits eine Verschlechterung
der Krankheit frühzeitig
zu erkennen und ihr therapeutisch
zu begegnen. Dadurch
lassen sich sogar Krankenhausaufenthalte
vermeiden,
was die Krankheitskosten
beträchtlich reduziert.
Gleichzeitig steigen die Lebensqualität
und Zufriedenheit des Patienten an.Bei Patienten
mit Herzschwäche wurde dies
wiederholt gezeigt; bei Patienten mit Bluthochdruck
verdichten sich ebenfalls die Erkenntnisse
in diese Richtung.In geographischen Regionen mit geringer
Arztdichte kommt man ohne Telemedizin gar
nicht mehr aus. Sie funktioniert seit langem
in den Outbacks Australiens, ist in den USA
bereits etabliert, wird zur Zeit in ländlichen
Regionen Frankreichs getestet und es wird erwogen,
sie in den neuen deutschen Bundesländer
einzuführen, um den dort bestehenden
Mangel an Ärzten zu kompensieren.


Wie steht es um den Datenschutz und
die Datensicherheit?
Schmieder: So wie in der Arztpraxis werden
auch in der Telemedizin alle patientenbezogenen
Daten vertraulich behandelt. Der
Patient besitzt die Hoheit über seine Daten
und nur er kann bestimmen, wer Zugriff darauf
haben darf und wer nicht. Soweit der Datenschutz.
Für die Datensicherheit, also einerseits
die verlässliche Zuordnung von Daten
zu einer Person und andererseits die Verhinderung
von Missbrauch der Daten durch unberechtigten
Zugriff oder Weitergabe, sind
anspruchsvolle Standards und Techniken entwickelt
worden, die ständig verbessert werden.
Aber ein guter Datenschützer wird niemals
mit dem bestehenden Schutz- und Sicherheitskonzept
zufrieden sein. Denn Datenschutz
und Datensicherheit sind eine immer
währende Herausforderung, die eine ständige
Anpassungen und Weiterentwicklung erforderlich
macht.


Was passiert mit den gespeicherten
Daten?
Schmieder: Die Telemedizin ermöglicht es,
krankheitsrelevante Daten eines Patienten
sehr engmaschig zu erheben. Doch erst die
Betrachtung der gespeicherten Daten über
einen längeren Zeitraum versetzt den Arzt in
die Lage, den Krankheitsverlauf zu bewerten,
um auf Veränderungen unverzüglich zu reagieren,
indem er z.B. die Therapie ändert.
Und falls einmal ein Notarzt-Einsatz erforderlich
ist, können die gespeicherten Daten
aus der Vorgeschichte des Patienten hilfreiche
Informationen liefern, um eine an den individuellen
Bedarf am besten angepasste
Therapie einzuleiten und einen schlimmeren
Krankheitsverlaufs abzuwenden.